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Chronik

Aus Erzählungen hört man, das es früher ein Ober- und Unterdorf gegeben hat. Da hieß es schon mal:
In`s Unterdarf bin i eh ned so oft kema.
Demnach war das Unterdorf der Bereich um das Gasthaus zur Post, Oberdorf eher der Bereich um Neuwirt.

Wappen

Vermutlich aus den Jahren 1952 bis 1956 stammt diese Form eines Wappens in Gips. Es entstand damals von Schülern in einem Werkunterricht unter der Leitung des damaligen Schulleiters Wolfgang Schierl. Ein Lindenbaum mit Schwert auf einem Hügel, in den Farben braun, grün und blau bemalt.

Gasthaus zur Post

geschrieben von Diana Leiß

Die Post in Hohenlinden hat ihre Anfänge in der Errichtung des Postkurses München- Wels- Wien die sogenannte „Obere Wiener Postroute“ ausgehandelt von Kurfürst Ferdinand Maria, Freiherrn von Schmid, mit dem taxischen Postmeister Johann Jakob Öxle am 13. Februar 1664. Als Stationen wurden Anzing, Haag, Ampfing, Altötting, Marktl, Braunau, Altheim und Ried am Innkreis festgelegt.

Da es sich zu Beginn nur um Reitposten handelte, war es auch ausreichend zwischen München und Haag nur in Anzing Station zu machen. Nach der Einführung der fahrenden Post im Jahre 1753 häuften sich die Beschwerden der Kuriere und Passagiere über den langen Weg. Als dann im Jahr 1768 der Poststall in Anzing abbrannte und Konkurs anmelden musste, löste sich das Problem beinahe von selbst. Im Jahre 1771 wurden Anstelle von Anzing, Neufarn und Hohenlinden als Poststation eingerichtet.

Der erste Posthalter von Hohenlinden war Joseph Mareis, er erhielt von Taxis ein Darlehen von 1500 Gulden das er zum Bau von Pferdestallungen verwendete. Durch schlechtes Wirtschaften oder andere Umstände kam der Posthalter in eine arge finanzielle Bedrängnis, so konnten 1786 in Hohenlinden keine Pferde mehr gewechselt werden. Ein neuer Bewerber für Hohenlinden fand sich aber nicht, deshalb wurde mit dem Zuspruch des Posthalters von Haag und durch die Bürgschaft des Malteser-Ordens-Pfleg- und Herrschaftsgerichts Ebersberg ein weiterer Kredit an Joseph Mareis vergeben von 1000 Gulden. Er kaufte neue Pferde und wirtschaftete in den nächsten Jahren besser, bis 1795 hatte er 810 Gulden zurückgezahlt. Doch es gab keine Verschnaufpause. Im Herbst 1800 versammelten sich die Armeen der Österreicher und Franzosen. Der Waffenstillstand der am 20. September 1800 vermutlich in der Post ausgehandelt wurde war nicht von langer Dauer. Am 28. November 1800 kam es wieder zu Feindseligkeiten, die dann in der Schlacht am 3. Dezember endeten. Die Soldaten haben Zäune um Wiesen und Felder niedergerissen, und niedergetrampelt. Wein, Bier und Branntwein, wofür nichts bezahlt wurde, konnte nicht genug aufgetrieben werden. Die teuer bezahlten Postpferde wurden von den Soldaten 10 – 12 Stunden täglich geritten. Heu und Hafer wurde beschlagnahmt, so dass für das eigene Vieh kein Futter mehr vorhanden war. Am Tag der Schlacht war dann ein heftiges Kanonenfeuer um das Posthaus so dass der Nebenbau mit Stallungen in Brand geriet. Es verbrannten darin sogar einige verwundete Franzosen, die man hier versorgen wollte. Die Familie Mareis wurde ins Poststüberl eingesperrt. Anschließend wurde das Anwesen geplündert. Der Familie blieben nur einige Betten, die sich in dem Stüberl befanden. Der Schaden wurde auf 4000 bis 5000 Gulden geschätzt. Dem gebeutelten Posthalter blieb wieder nur die Möglichkeit den Fürst um einen weiteren Kredit zu bitten, welcher dann in Höhe von 500 Gulden gewährt wurde. Was sich als Tropfen auf dem heißen Stein erwies, denn das Viehfutter konnte damit kaum bezahlt werden. Als dann am 23. Mai 1801 ein heftiges Unwetter die gesamte Ernte verwüstete musste Joseph Mareis schon wieder um Geld betteln. In einer späteren Bittschrift von Frau Mareis hieß es: „Wir waren ohne Prahlerei die wohlhabendsten Leute im Dorf und sind jetzt, nach dem Krieg, mit allen Anderen gleichgestellt. Erst waren die Durchmärsche der kaiserlichen Truppen äußerst drückend, noch beschwerlicher aber die der kaiserlich russischen Soldaten. Im Anwesen war der Vorpostengeneral und Oberst vom 28. Jägerregiment (K. und K. Offizier) zu Pferd zwanzig Tage im Quartier. Er hat zusammen mit anderen Offizieren 400 Gulden an Unkosten verursacht. Nach dem Abzug der Kaiserlichen lag Hohenlinden in der französischen Linie. Den schwerverwundeten Franzosen musste Unterkunft gegeben werden. In der Nacht vom 4. zum 5. Dezember brannten die Franzosen die abseits vom Posthaus stehende Stallung nieder. Das Gebäude enthielt auch eine Wohnung und es lagerten Getreide, Heu, Stroh, rohe Häute und Unschlitt darin. Die französischen Generäle haben Unkosten von da. 500 Gulden verursacht. Vor dem Krieg lasteten auf der Tafernwirtschaft keine Brauereischulden, nun beliefen sich die Verbindlichkeiten bei der Brauerei, infolge des Krieges, auf 3000 Gulden. Das Bier wurde teilweise schon auf dem Transport von Ebersberg durch die Franzosen beschlagnahmt.“ Auch das Hagelunglück brachte Frau Mareis in ihrem Gesuch zur Sprache. Sie bekam sogar Unterstützung vom Oberpostamt. Der Direktor des OPA München, Baron von Pfetten, bestätigte, dass Mareis in der schwersten Zeit des Krieges seinen Dienst weiter versah, während die benachbarten Posthalter längst geflohen seien. Die Antwort des Fürsten lautete: „ Was man für die Posthalterei tun konnte, hat man ihr bereits angedeihen lassen und so kommt ein Nachlass nicht in Frage.“ Joseph Mareis starb am 27. September 1803 an Nervenfieber. Seine Frau führte die Geschäfte anschließend weiter.

Der Vertrag mit der Posthalterin von 1803:
Bei dem reitenden Ordinarie- Dienst: Die Posthalterin hat das ordinarie Brief-Felleisen wöchentlich zweimal nach Haag und nach Parsdorf zu befördern. Sie erhält an Besoldung eine vierteljährliche Rittgebühr von 25 fl und ein Drittel der Briefporto-Einnahme. Für jede Verspätung des Felleisens pro Viertelstunde werden 15 kr Strafe von der Besoldung einbehalten.

Bei dem fahrenden Ordinarie- Postwagendienst:
Der Münchner Postwagen nach Linz ist einmal wöchentlich nach Haag und der von Linz nach München einmal wöchenlich nach Parsdorf, mit vier Pferden bespannt, zu fahren, wofür vierteljährlich 64 fl und ein Zehntel der Portoeinnahmen bezahlt werden. Als Fahrzeit sind jeweils drei, bei schwerer Ladung, schlechtem Weg oder Wetterbedingungen vier Stunden vereinbart. Der Pferdewechsel darf nicht mehr als eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Für die Schäden durch ungeschicktes Fahren haftet die Posthalterin. Es ist ihre Sache, für tüchtige Postillione und gute Pferde zu sorgen.

Estafettendienst:
Ein in der Transportordnung festgelegter Weg von vier Stunden ist in zwei Stunden zu machen. Die Verspätung einer Estafette wird, wie bei der Verspätung des Felleisens, mit 15 kr pro Viertelstunde bestraft.

Extrapostdienst:
Der Poststall hat dafür und für die vorgenannten Leistungen acht bis zehn Postpferde und einige gute Kaleschen zu halten. Es ist darauf zu achten, dass den Reisenden nicht mehr als nach der Taxe richtig abverlangt wird. Die Extrapost ist in der halben Zeit der Ordinarie-Post zu befördern.

So wurde die Witwe Anna Maria Mareis zur „Kayserlichen Reichsposthalterin“ sie übernahm die noch ausstehende Darlehensschuld von 625 Gulden und eine Kaution von 1000 Gulden. Es wurde eine halbjährliche Kündigungsfrist vereinbart. Doch schon nach zwei Monaten erbat sich Frau Mareis aus dem Vertrag entbunden zu werden, da sie sich außerstande sah die Kaution aufzubringen.

Franz Peter Stangl wurde der neue Posthalter und Betreiber der Tafernwirtschaft : Er hatte mindestens 10-12 Postpferde zu halten, dazu 3 Chaisen, wovon mindestens 2 gedeckt sein mussten, außerdem 2-3 Estafettentaschen. Auch Franz Stangl konnte das Anwesen auf Dauer nicht aus den roten Zahlen führen, da noch vieles das im Krieg zerstört wurde wieder aufgebaut werden musste. So wurde die Poststelle 1814 versteigert. Der neue Posthalter war Robert Rechl ein Wirtssohn aus Hohenwart im Landgericht Burghausen, ihm folgte sein Sohn Sebastian Rechl . Dieser verkaufte die Post 1849 an seinen Schwiegersohn Franz Huber. Am 1. Februar 1860 fielen große Teile des Posthauses einem Brand zum Opfer. Am 1. Januar 1875 übernahm Kaspar Rauch die Posthalterei bis zu seinem Tode. Seine Witwe übergab die Geschäfte 1888 an ihren Sohn. Dieser verkaufte das Anwesen bereits nach einem halben Jahr an seinen Schwager Valentin Keiler für 75000 Mark. Der letzte Posthalter war Josef Leiß, der den Poststall 1907 übernahm und bis zu seiner Auflösung am 1. März 1913 betreute.

Die Postknechte waren um die Jahrhundertwende den größeren Bauern gleichgestellt. Sie hatten in der Alten Kirche eine eigene Kirchenbank reserviert, auf der auch heute noch steht „denen Postknechten gewidmet“. Jeden Morgen um vier Uhr fuhr die gelbe Postkutsche ab. In dem geschlossenen Gefährt hatten vier Personen Platz. Der Postillion saß auf dem Bock, unter seinem Sitz befand sich die abgesperrte Truhe mit dem Postsack und dem Postgeld. Als am 28. Februar 1913 der letzte Postillion Hingerl in seiner auf Hochglanz polierten Uniform bestehend aus: weißer Lederhose, schwarzen Reitstiefeln, blauem Frack mit Silbertressen und Kutscherhut mit weiß-blauem Federbusch aus dem Ort hinausfuhr blies er auf seiner Trompete: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“, da wurden manche Hohenlindener ganz traurig, denn sie spürten, dass sie an einer Zeitenwende standen.

Die „Obere-Wiener-Postroute“ war im 17. Und 18. Jahrhundert sehr geschätzt und wurde der „Unteren-Wiener-Postroute“ die über Ebersberg ging oft vorgezogen.

Als die Bayern im September 1646 zum zweiten Mal von den Schweden in die Flucht geschlagen wurden, rastete der Bruder des Kurfürsten Herzog Albrecht mit seinen beiden geistlichen Söhnen in der Post, bevor sie dann Richtung Haag flohen. Eine Steintafel am Gasthaus erinnert heute noch an den Besuch des österreichischen Kaisers Josef ll. Er reiste aber in Kognito unter dem Namen Reichsgraf von Falkenstein.

Als dann aber Papst Pius VI. eine Reise nach Wien unternahm und auf der Rückreise über Linz und Altötting nach München am 26. April 1782 über Hohenlinden reiste, war auch die Bevölkerung unterrichtet. Der Papst wurde von Kurfürst Karl Theodor in Ramsau bei Haag empfangen und erreichte Hohenlinden mit großem Gefolge. Angeführt von dem Forst-Taxis Cuirassiersekadron, in einer von drei 6-spännigen Kutschen, gefolgt von mehreren päpstlichen und kurfürstlichen Kurieren und der kurfürstlichen Leibgarde. Die Hohenlindener waren ganz überwältigt von so viel Prunk. Jeder versuchte einen guten Platz zu finden und vielleicht einen Blick auf den Papst zu erhaschen. Sie knieten auf ihren Dächern, hockten auf Bäumen und Gartenzäunen und überall läuteten die Kirchenglocken. Der Papst erteilte unermüdlich seinen Segen. Diese Reise brachte für Hohenlinden noch einen weiteren Vorteil. Die Straße bog damals in Birkach ab und führte über Albaching nach Haag, nicht nur dass dieser Verlauf einen großen Umweg bedeutete, war sie zudem noch in einem schlechten Zustand. Der Kurfürst war darüber so verärgert, dass er im Anschluss an den Papstbesuch eine neue Straße erbauen ließ, welche über den Schimmelberg führte, es handelt sich hier um unsere heutige B 12.

Auch Ludwig van Beethofen kehrte zweimal in Hohenlinden ein. Die Kaiserin Elisabeth von Rußland ließ sich 1844 auf ihrer Fahrt von München nach Wien nicht im Gasthaus nieder, sie hatte ihren eigenen Schlafwagen dabei. Doch König Ludwig I. von Bayern verweilte einige Zeit im Ort. Er besichtigte auch unsere Marienkirche und war sehr angetan von den beiden alten Glasgemälden im Fenster.

Löschweiher
Gasthaus zur Post, vor 1907

Gasthaus zur Post, vor 1907

Wie es früher so üblich war, hatte man zentral im Ort einen Löschweiher.
In Hohenlinden natürle nicht, da war er im Unterdorf. Ziel war es, das man mit einer Eimerkette, später mit Pumpen, der Feuerwehr das Wasser relativ einfach an jeden Punkt im Ort bringen konnte. Auch Hohenlinden hatte so einen Löschweiher, dieser war gegenüber vom Gasthaus zur Post. Posthalter war zu der Zeit als das Foto entstanden ist Valentin Keiler.
Auf dem Bild rechts sieht man das Geländer. Auch in Kronacker, Kaging und Birkach wurden an den Bachläufen Löschweiher angelegt.

Kirche Sankt Josef

Im Glockenturm von Sankt Josef


Das worüber ich hier berichte, ist zum Teil aus der Chronik von Hohenlinden.
In dem Buch steht aber noch einiges mehr und dazu noch viel detaillierter.
Sollte mal ein passendes Geschenk zu einem Geburtstag, Weihnachten oder sonst zu einem feierlichen Anlass fehlen, wäre die Chronik bestimmt für jeden, egal ob alt oder jung ein sehr interessantes und lehrreiches Buch.
Die Chronik von Hohenlinden, eine Auflage aus dem Jahr 2000 gibt es bei der Gemeinde zu kaufen.